NebelALLraunen ist...

eine Fülle an Seiten und Artikeln voller vielfältigster, ungeschönter Realitäten jenseitiger, wie diesseitiger Natur... wissenschaftliche Klarheit und Offenbarung wird eins; und das ganz ohne dogmatische, monistische Absichten oder gar Absolutheitsansprüche.

Rekonstruktionalismus und Technismus lösen hier mystische Geheimniskrämerei ab.

_____________________________________________________________________________

Du bist neu hier? Eine erste Einführung hilft dir weiter!


Rekonstruierte/Experimentelle Kulte

Samstag, 28. März 2015

Der goldene Mann von Issyk

Fünfzig Kilometer östlich von Almaty, im heutigen Kasachstan, befindet sich der archäologische Fundort Issyk, inmitten großer Landmarken, wie Balkhash-See und Issyk-Kol. Bereits seit dem 5. Jh. v. u. Z. besteht hier ein Hügelgräberfeld, dessen Art man als "Kurgan" bezeichnet. Die übergeordnete Landschaft, in der wir uns gedanklich befinden, wird als Siebenstromland bezeichnet.
Der sogenannte „Goldene Mann“ ruhte als Nebenbestattung in einem von insgesamt 45 Kurganhügeln auf der linken Uferseite des Flusses Issyk, mit einem äußeren Durchmesser von etwa 30 bis 90 Metern, sowie einer Höhe zwischen 4 und 15 Metern. Seinen Namen bekam er vor allem wegen den unzähligen goldenen Applikationen auf seiner Kleidung, die dem Tierstil zuzuordnen sind. Die dazugehörige Hauptbestattung war möglicherweise einst ähnlich prunkvoll gewesen. Doch lange vor den ersten Ausgrabungen im Issyk-Kurgan, lockte der Ruf des Goldes, der auch heute noch Menschen an der Rekonstruktion des jungen Sakenfürsten fasziniert. Entgegen der auf die Masse des Goldes angelegten Darstellung und Benennung, handelt sich hierbei keineswegs um einen Schatzfund, sondern um eine reguläre Bestattung gehobener Kreise, die ethnisch den Saken zugeordnet wird.
Der Grabfund an sich wurde auf einer Ausgrabung kasachischer Archäologen unter Leitung Kemal A. Akishev gemacht. Bei den Grabungstätigkeiten in den Jahren 1969 und 1970 wurden nur vier der Hügel untersucht, wovon drei bereits stark beraubt waren. Auch bei dem hier zu behandelnden Kurgan war ein senkrechter Schacht mit zentralem Beraubungstrichter, umgeben von Geröll, vorhanden. Hier schon zeigte sich der Aufbau der aufgefundenen Grabanlagen, welche aus Flussgeröll und Lehm in drei bis vier abwechselnden Schichten aufgebaut wurden. Die Bestattung des „Goldenen Mannes von Issyk“ fand sich von der Hauptbestattung aus etwa 15 Meter weiter in Richtung Süden. Da beide Grabkammern auf annähernd gleicher Höhe lagen, kann eine zeitliche Nähe der Einbringung in den Boden angenommen werden. Der Gesamtdurchmesser betrug noch ganze 60 Meter, bei einer Höhe von 6 Metern. 
Neben der Bekleidung, ist der Fund vor allem wegen seiner Unberührtheit, wider aller Umstände, so besonders. Aber auch aus dem Bildinhalt kann so manche Schlussfolgerung zu den gedanklichen und kulturellen Hintergründen des jungen Sakenfürsten, gezogen werden. So kann man hier eine schamanische Weltsicht annehmen, deren zentrales Element ein Weltenbaum bildet. Die außergewöhnliche Ausstattung des goldenen Mannes, kann als Kartierung der andersweltlichen Ebenen mit Unterwelt, Mittelwelt und Oberwelt,  gelesen werden. Die figürlichen Goldornamente stellen womöglich Geistwesen und Kraftpersonifikationen dar, die dem Toten im Jenseits beistehen sollen. Es handelt sich also um die Vorbereitung einer Jenseitsreise, die man hier archäologisch fassen kann.


Weiterlesen...

Donnerstag, 26. März 2015

Die wilde Jagd vom Galgenberg - eine moderne Sage


Auf dem Galgenberg bei Laucha trug sich eines Winterabends ein geisterhaftes Treiben zu. Ein junger Bursche hatte sich an seinem Lieblingsort am Waldesrand niedergelassen, um der einbrechenden Dämmerung im schönen Unstruttal beizuwohnen. Trotz dunkler Jahreszeit, war es doch sehr mild und kein Frost war zu sehen. Da saß er und schaute, sah den letzten Sonnenstrahl am Hügelhorizont verglühen. Die letzte Rebe verschwand gerade im ersten Dunkel der Nacht, da erhob sich ein eisiger Wind, aus dem Walde, zu seinem Rücken. Der Junge fuhr herum, fröstelte und schaute. Doch nichts war zu sehen. Wieder erhob sich ein Wind mit Sausen und Tosen. Es schauderte ihm furchtbar. Da hörte er Rufe, Pferdeschnauben, ein geisterhaftes Wiehern. Ganz still wurde es um sein Gemüt. Der Wind fegte stärker den Berg hinab. Rufe und das Schlagen von Hufen kamen näher. Schüsse, wie von Flinten und Hundegebell war zu hören. Still saß der Junge und lauschte dem Treiben. Er schaute und sah kein lebendes Wesen. Nur die dürren Skelettfinger der Bäume schwangen drohend im Wind. Da wurde die Nacht verschlungen und Nebelschwaden drangen aus dem Geäst, umschlossen ihn mit kalter, klammer Hand. Ganz verloren war es um ihn und das Lärmen fand kein Ende. Gestalten formten sich aus Wasser und Luft. Ein verwegen blickender Mann, wie ein Dieb, erschien im Nebel. Er rannte davon, von tiefer Panik ergriffen. Und auch das Herz des jungen Burschen raste. Hirsche, Hasen und wilde Schweine zogen rasend vorbei. Dreimal huschte es laut. Schüsse, Trommeln und Rattern kamen näher. Da erblickte er die rasselnde, schellende Reiterschar und schon schoss sie so dicht an ihm vorbei, dass er den Atem der Rappen spüren konnte, der auf seiner Haut gefror. Auf den Pferden saßen Männer, wie Reisende durch die Zeit. Bärtige Männer mit langen Haaren, schwer mit glänzendem Schmuck behangenen Röcken, wild gebärdend, mit Speer und Schild, Männer mit Schwertern, aber auch Soldaten in dunkelblauen Uniformen, mit alten Gewehren und eckigen Taschen. Ihre Schreie und das Lärmen gellten in den Ohren. Allen voran auf einem Schimmel jedoch, zog eine strahlende Frau, schön gerundet, wohlgeformt, mit langem Haar, das ganz zaus im Wind flatterte, wehte wie Bänder von Gold und Silber. Mütterlichkeit, aber auch Zorn standen in ihrem Gesicht. Da staunte der Junge und fragte sich, wer die Herrin einer solchen Geisterjagd wohl sei. „Die Holle“, tönte es in seinem Kopf, wie flüsternde Kinderstimmen. Er sah Sie, wie im Traum und doch so wahr, rufen, mit Schrot dann schießen, gefolgt von der kalten Schar. Die weiße Holle zog vorbei. Mit ihr zog der Nebel, zog der Wind und die ganze Jagd. Langsam wurden die weißen Schleier dünner und verwoben sich mit der Schwärze der Nacht. Da berührte der Schein des Mondes wieder die Haut des Jungen. Endlich sah er wieder. „Endlich!“ Doch immer noch tobte und toste es. So erhob sich der Bursche, ließ sich von Vater Mani nach Hause geleiten.

Nach einer wahren Begebenheit...

Freitag, 20. März 2015

Ta'amuz't du Flagge zeigen

Über den Inhalt des spirituellen Konzepts Ta'amuz wurde bereits in der Vergangenheit informiert. Es handelt sich dabei, vergleichend gesprochen, um den Kern, dessen Frucht jeder Selbst bestimmen und auskosten kann. Die Namensgebung leitet sich einerseits, in magischer Umkehrung, vom Weg "zu Ma'at", als auch vom mesepotamischen Vegetationsgott Tammuz/Dumuzi ab, der sein Leben als Opfer einer fatalen Liebe für Inanna/Ishtar lassen musste, doch durch die Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft seiner Schwester Geshtinanna die Hälfte jedes Jahres aufersteht. Mit ihm waren die großen Kulte der heiligen Hochzeit, sowie der Beweinung und Auferstehung verbunden. Tammuz war ein Mensch, der durch seine Liebe zur Göttin Inanna mit Hilfe des heiligen Liebesaktes zum Fruchtbarkeitsgott, mit Hilfe des Leidens zum Unterweltsgott transformiert wurde. Er durchlebte eine schamanisch anmutende Wandlung vom einfachen Hirten zum Gott, der in zahlreichen Tiergestalten auftreten kann. Eine Bedeutende ist die als Stier, wie im Symbol zu erkennen.
Ta'amuz-Flagge von Poeta Immortalis
Ebenso, wie Ma'at ein, auch historisch betrachtet, wandlungsfähiger Begriff mit einem gewissen Grund-Tenor, sowie einer stark persönlichen Note, ist, so kann auch Tammuz als mythomagisches  und göttlich-verehrenswertes Beispiel einer zweifachen Transformation durch die Kräfte Bal und Gor, der Kraft des Lebens und des Todes verstanden werden, die nötig sind, um aus einem gewöhnlichen Menschen eine Gottheit zu machen.
Ta'amuz bietet grobe Richtungen und Wege an, die auf eine ganz individuelle Art und Weise umgesetzt, eine zukunftsweisende Entwicklung im Hier und Jetzt einleiten.


Die Symbole des Ta'amuz

  • Der Ta'amuz = Ein Symbol für die ewig wiederkehrende, Tod und Leben durchwandernde Gottheit Tammuzin seiner potenten Formdes Stieres. Blau (Gor) steht für den Todesaspekt, Rot für das Leben (Bal). Seine Augen sehen das Jenseitige und doch ist sein Körper voll schöpferischer Kraft. Die Hörner sind das Zeichen seiner göttlichen Macht.
  • Der zweifache Lotos/Dor-Axt = Zeichen der wirkenden Kräfte Bal und Gor, sowie deren heilige Vereinigung zu Dor. Deren Wirkung kann einerseits die der reinsten Blüte in zweifacher Ausführung, als auch der einer Doppelaxt sein. Darin drückt sich die scheinbar belohnende, als auch strafende Wirkung jener Kräfte aus, die karmisch wirksam sind, jedoch nicht bewusst sanktionieren oder belohnen, sondern als rein naturgesetzliche Konsequenz auftreten. Dieses Symbol mahnt durch die Zahlen 6 und 9 (auch in doppelter und dreifacher Reihung) zur Einhaltung der feinstofflichen Naturgesetze im Sinne der Ma'at und warnt damit vor Strafe, lockt mit Vollkommenheit. In diesem Kontext ist die Zahl "666" als starkes Omen mit Warnung vor einem direkt bevorstehenden karmischen Schlag zu sehen, der durch eine Überladung aus Bal-Energien ausgelöst wird. Die Vorstufe dieser Warnung ist "66" als regelmäßig auftretendes Omen. Im Gegenzug warnt "999" und "99" vor einem karmischen Schlag aus der Gegenrichtung durch eine Überladung an Gor-Kräften. Beide Hinweise drücken die Bitte nach einem Ausgleich hin zu Dor aus (Zahl: 2). Damit wäre ein Omen "222" positiv als vollständiges Equilibrium zu betrachten (Quersumme = 6 - Ma'at-Zahl).
  • Glyphen des Equilibriums = magische Glyphen zum inneren und äußeren Ausgleich, deren Wirkung sich durch ein rotes Bal-Dreieck und ein blaues Gor-Dreieck manifestiert, die in Kombination als eine Art Pflanze Dor bilden.


Heilige Steine des Ta'amuz
  • Carneol - Der Stein der Potenz und des Bal-Prinzips. Er gibt Willenskraft und fleischliche Präsenz, sowie Beständigkeit.
  • Lapislazuli - Der Stein der Wahrheit und des Gor-Prinzips. Er gibt innere Ruhe, Frieden und stärkt die Wahrnehmung.

Mittwoch, 18. März 2015

Das Ischtar-Tor von Babylon und seine Berliner Rekonstruktion (Teil 3): Symbolik und Bedeutung

Die Architektur des Ischtar-Tores und der, durch sie führenden, Prozessionsstraße beeindruckt nicht nur durch ihre Monumentalität, sondern auch durch die Tiefe der Smybolik. Das kräftige Blau, das einen auf Anhieb entgegenschlägt, wird oft als symbolisch-kultische Abwehrfarbe gegen chthonische Kräfte und den bösen Blick gedeutet. Die Unterteilung der Wandflächen erfolgt durch gelbe Linien, deren Zentrum eine Reihung schwarz-weiß-schwarzer Balken bildet. Hin zu vertikalen Gebäudekanten folgt eine hellblaue Linie. Der untere und obere Abschluss der Wandflächen erfolgt durch eine doppelte gelbe Linie, wie bereits beschrieben, mit einer Reihung weißer Rosetten dazwischen. Diese werden in der assyrischen Kunst mit Ischtar assoziiert und ersetzen in dieser Zeit den Venus-Stern der Inanna. Sie sind bereits in der Uruk-Zeit belegt. Deutlich treten auch die Tiere Stier , Löwe, sowie das Mischwesen Muŝuŝŝu, ein Schlangendrache, hervor, deren Reihungen die großen Wand- und Torflächen bedecken. Dabei wird das Ischtar-Tor ausschließlich von Schlangendrachen und Stieren mit jeweils hellgrün und gelb ausgeführten Hufen und Hörnern dominiert, während vor allem die Wände der Prozessionsstraße „Aîbuŝâbum“* von Löwen geziert werden. Die Tierreihe ist ein traditionelles Motiv im alten Orient, das auch bereits in der Uruk-Zeit auftaucht. Beeindruckend ist auch die Gesamtzahl von 575 Tierbilder, die aufgefunden wurden. Sie alle waren jedoch nicht gleichzeitig angebracht, sondern stammen aus unterschiedlichen Bauphasen.Die drei verschiedenen Tiermotive stehen hier nicht für Tierarten, sondern vertreten die Hohegottheiten Babylons selbst. Die assyrische Götter erscheinen in der Ikonographie oft mit Begleit- und Reittieren, auf denen sie stehend dargestellt werden. Der Stier steht dabei für den Wettergott Adad. Es handelt sich keineswegs um einen gewöhnlichen Stier, denn seine göttliche Andersartigkeit wird durch kleine Flügel angezeigt. Schon seit urgeschichtlicher Zeit tritt er im Kontext verschiedener mesopotamischer Fruchtbarkeitskulte auf. Der Schlangendrache „Mušuššu“* steht für Marduk als ranghöchster „Enlil der Götter“*. Seine Darstellung ist seit dem akkadischen Reich belegt und wurde nach Hammurabi's Eroberung von Eshnunna zum Symboltier des Stadtgottes Marduk. Das Tier ist ein Mischwesen, das Elemente von Schlange, felidem Raubtier und Raubvogel miteinander verbindet. Konkret hat „Mušuššu“ Kopf, Hals und Körper einer Schlange, die Vorderbeine eines Löwen und die Hinterbeine sind die Krallen eines Adlers.Es muss sich um ein Wesen handeln, das Furcht in den damaligen Menschen ausgelöst hat. Seine Ausstrahlung wurde der „Schreckensglanz“** des Marduk genannt. Zugleich können solche furchteinflößenden, dämonenhaften Wesen nach der „Domestizierung“ durch eine Gottheit auch schützend auftreten, wie es hier der Fall ist. Die Wanddekoration vermittelte nach außen einen Eindruck von Macht. Im Gegenzug gab der Schutz durch den Schöpfergott Marduk wahrscheinlich nach innen für die Bewohner Babylons ein Gefühl von Sicherheit.
Stellvertretend für die namensgebende Göttin Ischtar, reihen sich alleenhaft die Löwen zu beiden Seiten der breiten Prozessionsstraße. Ihre Farbgebung ist, ähnlich wie bei den Stieren, ebenso wechselnd gehalten. Während das Weiß bei den zurücktretenden Wandteilen dominiert, erscheinen die hervortretenden Darstellungen in einem Gelbton, der für Gold stehen könnte. Die im ersten Augenblick stupide Reihung anhand eines Rasterschemas bildet zeitgleich feste Ordnungen ab. Die Blickrichtungen der Tiere zeigen die Hauptbewegungsrichtungen der Festprozession an, führen den Weg entlang in die Stadt. Erst am Tor wird auch eine dem Betrachter zugewandte Richtung angenommen. Sie schauen sich aber über konvexe Ecken an und kehren sich über konkave Ecken voneinander ab. Weiterhin ist festzustellen, dass die Reliefbilder auf jeder Fläche allesamt in eine Richtung blicken.



chthonisch = dem Erdinneren, also der Unterwelt, zugeordnet
Rosette = blütenartiges Motiv
Uruk-Zeit = ca. 4000 bis 3000 v. u. Z.

Donnerstag, 12. März 2015

Lyrik: Something else

Once in darkness,
I saw something new,
something different, 
than anything I ever view.
All I saw before,
all I ever viewed till yet,
was darkest darkness, I met.

So I spoke to the something new:

„What, oh what, are you?“
Thing or not,
I think, but forgot,
what, still what, it could be.
„What could it be?!“

It seems to me,

it's too long ago,
when I saw anything,
anything else than me.

So, I asked myself

and said to thee:
„Please, oh please,
speak to me!“
I demanded;
and claimed it loud,
said it louder than ever before.
„Please, tell me your name!“
Oh, what could it be?
„Oh me, oh my,
what could be the name of thy?“

I wondered, and waited

for one or two aeons.
But it haven't.
It haven't ever answered.

„How shall I call you“,

I asked, „my dear thing?“
„What can you be?“
But it only was for me.
It was for me,
what it was.

„So, if you regret to answer gently,

I have to call you.
I will name you.
Your name shall be something...
Your name will be something.
Your really name is Something Else.“

Oh great, I thought,

I thought I was right,
that it is the only way, 
the only way to something else to be,
to name the name of thee.
But what is me?
Copyright by Poeta Immortalis 2015 


Mittwoch, 11. März 2015

Das Ischtar-Tor von Babylon und seine Berliner Rekonstruktion (Teil 2): Die Prozessionsstraße „Aîbuŝâbum“


Die Prozessionsstraße, die von Norden nach Süden durch das Ischtar-Tor verlief, wurde, in ihrer vollen Länge, nach den Stadtbeschreibungen Nebukadnezars, „Aîbuŝâbum“ genannt. Ihr nördlicher Teil, also vom Ischtar-Tor zur Heiligen Pforte, hieß „Iŝtar lamassi ummâniŝu“ und war besonders für den Ischtarkult von Babylon bedeutend. Das Tor nahm im Süden, den als Landstraße geführten Teil, Aîbuŝâbu's auf. Wie ein merklicher Knick, in der Nähe des Palastportals zeigt, führte der ursprüngliche Verlauf parallel zur Nordostmauer, bis zum Tempel der Ischtar im Viertel „Gottespforte“ , also „Bab Ili“. In dieser ersten Bauphase war auch das Niveau der Straße noch viele Meter tiefer und wurde in einer zweiten Phase um 10,85 Meter erhöht und neu errichtet. Zur Zeit Nebukadnezars II. also in ihrer dritten Baustufe, wurde die Straße erneut um 15 Meter erhöht, abgelenkt und zur Prozessionsstraße nach Esagula umgebaut. Sie erreicht nun eine Breite von ca. 30 Meter. Dieser Umbau erklärt sich vor allem durch den Bedeutungszuwachs des Mardukkults, der Stadt Babylon, der nun eine repräsentative Kultstraße erforderte, die nun über den Libilkhegalla-Kanal am Süd-Palast vorbei auf die höhergelegene Palastebene führte. Zwischen dem Hauptpalast und dem Arbeiterviertel nahm das Höhenniveau der Straße ab. Das Aussehen der Prozessionsstraße „Aîbuŝâbum“ lässt sich weiterhin an Resten der Pflasterung erkennen, die südlich des Ischtar-Tores erhalten geblieben war. Es handelte sich um große weiße Steine, begrenzt von rötlichen Pflastersteinen sehr harten Materials, welche von den Inschriften „turminabanda“ genannt werden. Der südliche Teil der Straße war mit großen Kalksteinblöcken gepflastert, die Keilschriftinschriften mit dem Namen des Ischtar-Tores enthielten. Außerhalb der doppelten Stadtmauer waren die Wände des nördlichen Teils der Prozessionsstraße waren zur Rechten und Linken mit glasierten Ziegelreliefs geschmückt, die von Löwen geziert wurden. Viele davon werden heute im Irak-Museum Bagdad ausgestellt. Die Nutzung des Proessionsweges erfolgte vor allem zum Neujahrsfest in einem großes Spektakel mit einer feierlichen Prozession. Die Statuen der Götter und Göttinnen aus Esagula, Epatutila, Ninmah, sowie aus dem Gula-Tempel und dem Nabu-Tempel in Borsippa wurden in das Neujahrsfest-Gebäude am Ende der Straße gebracht. Ein solches tempelähnliches Gebäude wurde zum Beispiel bei den Ausgrabungen in Ahur-Qalat Sherkat gefunden.
Die heiligste Straße von Babylon, „Aîbuŝâbum“, findet sich heute in einer aufwendigen, jedoch deutlich verkleinerten Version im Berliner Pergamon-Museum, wo sie in jahrelanger Rekonstruktion aus abertausenden Ziegelfragmenten, nach einem aufwendigen Auslaugungsprozess, zusammengesetzt wurde. Als eines der bedeutendsten deutschen Ausgrabungsergebnisse der im Jahr 1899 noch jungen Archäologie, wurde der sich immer wieder repetierende Löwe, zum Logo der Deutschen Orient Gesellschaft.

Dienstag, 10. März 2015

Das Ischtar-Tor von Babylon und seine Berliner Rekonstruktion (Teil 1)


Das Ischtar-Tor ist ein Monument, das nicht nur zu Zeiten seines Bestehens in Babylon ein wahresWunderwerk darstellte, sondern auch heute noch im Berliner Pergamonmuseum zu sehen ist. Archäologisch und konservatorisch wurde an ihm eine wahre Meisterleistung vollbracht, die bis dato unübertroffen bleibt. Dieses „Wiedererstehungswunder“, sowie die beeindruckende Präsentation, hat Berlin einer ganzen Reihe von Forschern und Restauratoren, angefangen mit dem deutschen Architekten und Ausgräber Robert Koldewey, sowie dem Anthroposophen Walter Andrae, zu verdanken. Die Reste Babylons, einer damals überaus bedeutenden Stadt am mittleren Euphrat, sind 90 Kilometer südlich des heutigen Bagdad zu finden. Historisch gesehen, war die antike Stadt das administrative Zentrum einer Region, die Orte, wie Kutha, Borsippa, Kish, Sippar und Jemdet Nasr. Das Ischtar-Tor war eines, der insgesamt acht Tore Babylons, die allesamt fest in den kultischen Kalender der Metropole integriert waren. Es handelte sich um Tore, durch die die Prozessionszüge aus den umliegenden Heiligtümern zu wichtigen rituellen Terminen, wie dem Neujahrsfest, einzogen,  um zum jeweilgen Ort der Feierlichkeiten zu gelangen. In diesem Kontext bestand, neben der aufgehenden Torarchitektur, selbstverständlich auch eine ganze Anzahl von Prozessionswegen. Als das Größte und Bedeutenste, besaß das Tor der Ischtar auch eine ebenso herausragende und architektonisch betonte Prozessionsstraße, die in den Stadtbeschreibungen Nebukadnezars II. unter dem Namen „Aîbuŝâbum“ überliefert ist.
Baulich gehört die in Berlin rekonstruierte Situation des Ischtar-Tores in die Zeit ebendiesen Königs des späten assyrischen Reiches, der es vergrößern und mit neuen, bunt glasierten Ziegeln ausstatten ließ. Die monumentale Keilschriftinschrift des blau strahlenden Gebäudes datiert es selbst in das Jahr 17 des Nabukinapli, also etwa dem Jahr 900 unserer Zeitrechnung. Nebukadnezars Erneuerungsbestrebungen bezogen sich jedoch nicht nur auf dieses eine Gebäude, sondern auf annähernd das gesamte Babylon. Es entstanden neue Palastbauten, Tempel, Mauern und Prozessionswege. Eine wahre Blüte der Kunst und Architektur zeigte sich. Doch leider blieb es die letzte Blüte des Assyrischen Reiches.

Zu Teil 2

Montag, 9. März 2015

Kommentar zu den "Bosnischen Pyramiden" und anderen präastronautischen "Grabungen"

Ich beziehe mich auf die Theorie zu drei, vom Amateurarchäologen Dr. Sam Osmanagich,  auf Satellitenbildern in Bosnien entdeckten, "Pyramiden" nahe der Stadt Visoko, die er selbst "Bosnische Pyramiden" nannte und seit 2008 untersucht, sowie vermarktet. Verknüpft wird das Thema mit der Präastronautik und anderen esoterischen Strömungen, die besondere Kräfte und Wirkungen in den Bergen um die Stadt vermuten. Mittlerweile hat sich so eine Art modernes Pilgerwesen, gespeist aus diesen offenen Gruppierungen, gebildet, die von einer Sensationsnachricht nach der Anderen gelockt werden.
Was steckt wirklich dahinter?
Leider muss ich als Archäologe sagen, dass die "Ausgrabungen" Osmanagichs weder so ablaufen und dokumentiert werden, wie eine archäologische Grabung von Statten gehen sollte, noch wirkliche Artefakte zu Tage gebracht haben, die irgendeiner seiner Behauptungen stützen. Auf den veröffentlichen Bildern kann man deutlich bruchsteingeflasterte Straßen , Hausgrundrisse, die ich ins Mittelalter datieren würde, sowie typische rund ausgemauerte Brunnenschächte am Fuß des Berges erkennen. Auf der Spitze der "Mondpyramide" wurde eine natürlich gewachsene Gesteinsschicht freigelegt. Man sieht hier, dass ausschließlich steinerne Architektur bildlich dokumentiert wurde, mit der für Pyramiden geworben wird. Eine horizontale oder vertikale Stratigraphie, also ein Gesamtplan der Befunde mit Schichtenabfolge und Verteilung der Funde auf dem gesamten Areal, fehlt. Fundlisten mit Anzahl, Beschreibung, Bildern und Größenangaben sucht man vergeblich. Man sieht, und liest, das kein professioneller Archäologe hier je am Werk war, noch ein echter Experte über Pyramiden hier zu Wort gekommen sei. Auch Dr. Hawass zeigte sich laut der Zeitschrift "Archaeology" verwundert über die Behauptungen, ein Pyramidenexperte habe die Berge um Visoko als Pyramiden bestätigt. Der genannte "Experte" Barakat ist laut Hawass weder ein Pyramidenexperte, noch wurde er je vom SCA gesandt. Stattdessen arbeite er für Osmanagich. Und auch ich selbst kann an den vorgelegten "Beweisen" für die "Bosnischen Pyramiden" keinen Hinweis darauf finden, dass es sich um Pyramiden, geschweige denn einer uralten europäischen "Hochkultur" handelt.
Für einen objektiven Beweis der von Osmanagich aufgestellten Behauptungen, müsste das Vorgehen der "Ausgrabungen" sich insofern ändern, dass auf eine sorgfältige und fachgerechte archäologische Dokumentation geachtet werden und diese präsentiert werden müsste. Weiterhin müsste man sich vor weiteren Interpretationen von einem modernen, esoterischen oder präastronautischen Paradigma lösen. Grundlage jeder Ausdeutung archöologischer Funde muss der Befund in seinem geographischen und zeitlichen Kontext sein. Einzelne Fundgattungen, wie die Keramik, können typologisch, als auch mit Hilfe der C14-Datierung einer oder mehrerer archäologischer Kulturen, die keine Ethnien darstellen müssen, zugeordnet und so zeitlich bestimmt werden. Nach der Erstellung eines archäologischen Gesamtplans der Fläche können Schlussfolgerungen im Kontext der festgestellten Kulturgruppe(n) gezogen werden und ggf. der Zweck der Anlagen ermittelt werden. Erst nachdem eine Rekonstruktion der ergrabenen Anlagen erstellt und deren ursprüngliche Nutzung bestätigt worden ist, können und sollten wir uns über postmoderne und spirituelle Zwecke der Anlagen Gedanken machen. 
Wie in vielen Fällen der Theorie- und Meinungsbildung, ist Ockhams Rasiermesser wieder mal das nützlichste Werkzeug, das sich finden lässt. Und wer jetzt glauben mag, Archäologen fänden nie archäologische Beweise für spirituelle Praxis, der sollte sich mal mit wissenschaftlicher  Ägyptologie und Kemetismus tiefer befassen.

Mit ähnlichen Fotos und "Rekonstruktionen", die eben nicht auf tatsächlichen Funden beruhen, wie sie Osmanagich vorlegte, könnte man fast jeden beliebigen Ausgrabungsort ähnlich spektakulär aufmachen, um damit eine Menge Geld zu verdienen.
Um mal ein konkretes Beispiel zu geben, könnte man genauso aus den Funden unter der Burg Goseck in Sachsen-Anhalt einen "Atlanter-Tempel" machen, wenn man hier ebenso, wie in Visoko gearbeitet hätte. Genauso könnte man unweit dieses Dörfchens, bei Weischütz den "Nüssenberg" für eine "Pyramide" halten, um eine naheliegenderes Beispiel zu nennen. Hier sieht es sogar ganz ähnlich aus wie im bosnischen Visoko. Ich nenne den Berg daher jetzt einfach mal "Pyramide des Dionysos" und danke allen, die sich meinen Artikel bis zum Ende durchgelesen haben. 


Nachtrag zur Situation vor Ort
Allen Berichten von Anwohnern und heimischen Archäologen aus der Gegend von Visoko zufolge, bleibt ganz sicher die einzig echte Kontroverse um die "Bosnischen Pyramiden", ob es einfach nur eine dumme Verarsche oder aber ein krimineller Betrug ist. Fest steht, dass die illegalen Grabungen vor Ort, echte archäologische Arbeit, rund um diesen wichtigen mittelalterlichen Fundplatz, unmöglich machen und ganz systematisch Kontexte zerstören, die so nie wieder rekonstruierbar sein werden. Somit wird in der kleinen Ortschaft, neben einem riesigen Betrug an leichtgläubigen Menschen, auch die archäologische Forschung und die Landeskultur Bosniens kriminell misshandelt. Wider aller Freuden in esoterischen Kreisen, müssten daher die neu und als klare Ausbeutung vermarkteten Reisen zum Schauplatz, mit etwas Wissen, ein wahrer Trauermarsch werden.  
So haben sieben berühmte europäische Archäologen, unter Anderen Anthony Harding und Herrmann Parzinger, eine Erklärung gegen den Raubbau am kulturellen Erbe Bosniens unterzeichnet, um ein klares Zeichen zu setzen.



archäologische Kultur = Behelfsbegriff zur Ordnung und logischen Verknüpfung von Funden ein und desselben Typs
C14-Datierung = chemische Messung der Radiocarbonwerte, die den Todeszeitpunkt von organischen Materialien oder den letzten Brand von Keramik anzeigen
Ethnie = Volk
Ockhams Rasiermesser = von mehreren möglichen Erklärungen ist die einfachste Theorie zu bevorzugen - einfach bedeutet hier, dass die Theorie möglichst wenige Variablen enthält, die in logischer Beziehung zueinander stehen
Paradigma = Weltbild


Montag, 2. März 2015

Runenwissen um Othila






Runen künden durch die Erfahrung ihrer Kräfte. So teile ich gerne meine dreifache Erfahrung mit Othila durch die Natur, die Götter selbst, als auch durch eine schamanische Blindreise, die ich kurz beschreiben möchte.


Othila in der Natur

Diese Rune erschien mir des Öfteren in dem Geäst und noch viel deutlicher im Stamm alter Bäume, die von früheren Leben und Weisheit zeugen. Viele Generationen an Tier und Mensch sind an ihnen vorbeigezogen, haben verweilt und wurden durch grüne Augen gesehen. Sie selbst mögen nicht mehr unter uns Lebenden weilen. Doch ihre Taten und Kräfte bleiben unvergessen. Bis heute wirken sie auch in jedem von uns fort. Ob in der alten Eiche, dem Baum des Rates oder dem von alten Strömen der Kraft zeugenden, gedrehten Ast der Birke. OTHILA BRINGT DIE ERKENNTNIS des Magischen und Göttlichen in der Natur, GIBT WEISHEITEN FRÜHERER GENERATIONEN WEITER.

Offenbarung der Götter

Mit der medialen Technik des automatischen Zeichnens entstand ein Ziegenbock in agressiver Pose besonders deutlich. Es geht um Kraft, POTENZ UND DURCHSETZUNG auf sozialer, wie genetischer Ebene.
Othila kann damit zur Stärkung der schöpferischen Macht, zur Verbesserung medialer Verbindungen in die Vergangenheit, als auch zur Potenzsteigerung als Amulett genutzt werden. Aber auch gegen Schwächeanfälle oder Ermüdung der Glieder wirkt hier die Runenkraft. Es zeigte sich weiterhin ein mäandierender Fluss, das Ausgießen des Wassers. Das Thema der Veränderung, des Wandels, der neuen Wege und Lebenszyklen, als auch der Reinigung von altem Schmutz und die Befruchtung neuen Bodens wird angesprochen. Es handelt sich um klare Inhalte des Wassermann-Prinzips, das seine Umsetzung in Donar, dem Gott der Erneuerung, findet. Die S-Spirale und eine Mutterschoßsymbolik sprechen dieselbe Sprache. Aber auch aus Wotan als Empfänger und Schöpfer der Runenweisheit, der sich selbst 9 Tage und 9 Nächte an Yggdrasil band, um sein initiatorisches Selbstopfer zu erleiden, spricht Othila sehr deutlich. Die Rune erreicht eine tiefe konstruktive Kraftfreisetzung gegen Aufopferung.


Othila in der schamanischen Blindreise

In meiner Blindreise führte mich Othila auf einen rechtsseitigen, den alten Göttern und Ahnen treuen, Pfad. Ein Runenstein am Wegesrand in den die Rune Tiwaz mit je einem Eiwaz zu beiden Seiten geritzt sind, zeugt von Alter, den fruchtbaren und heldenhaften Taten vorangegangener Generationen. Sie zeigen Teilaspekte von Othila und Verknüpfungen der Runen untereinander an. Auch hier kündigt sich aus dem Tod eine neue Schöpfung an: DIE EWIGE JAGD DES LEBENS.
Mein Weg setzt sich fort bis zu einem breiten, schnell fließenden Fluss voller kleiner und großer Strudel. Ich springe in das Wasser und lasse mich in die Tiefe ziehen, wo mir zwischen tentakelhaften Wasserpflanzen ein schwarzer Ziegenbock begegnet. Seine Hörner sind mit blauen Bändern geschmückt und mit 6 Schellen behangen. Die Einheit dualer Lebenskräfte spricht aus ihm. Er bittet mich aufzusitzen und so reite ich flussabwärts bis zu einer tiefen Felsenhöhle in der Uferböschung. Der Bock bringt mich auf eine Insel inmitten dieser Höhle, deren Zentrum durch einen annähernd rechteckigen Näpfchenstein mit Rinne, einem Opferstein gebildet wird, auf dem wiederum ein Langsachs liegt. Er deutet auf das Messer und stößt mich an. Mein Verstand realisiert, dass er von mir geopfert werden möchte. So komme ich seinem Wunsch nach, hebe ihn auf den Stein und schneide seine Kehle durch. Sein BLUT WIRD VERGOSSEN und fließt in das steinerne Näpfchen. Ich lege den Bock behutsam auf den Stein, streiche über sein Fell und widme dieses Opfer den Göttern. Das Wasser teilt sich. Ein ziegengehörnter, bocksbeiniger junger Mann mit langen braunem Haar entsteigt dem Wasser und dankt mir für dieses Opfer. Er trägt eine langstielige Axt mit Hammer auf der Rückseite und eine leere Scheide. Ich erkenne ihn als den Gott Donar. Er lächelt mich an und ergreift das Sachs, streift es sorgsam ab und schiebt es in die Scheide. Beim Blick nach unten bemerke ich seinen erigierten Phallus. Ich richte mich fragend an ihn, was das alles zu bedeuten habe. Da spricht er: "Damit neues Leben entstehen kann, muss Altes verfließen." Der Gott streckt seine rechte Hand dem Opfertier entgegen, geht auf ihn zu, streicht über seine Hörner und das schöne, wollige Fell. Leise Worte werden in des Bockes Ohr gesprochen und sein Kopf beginnt sich auf einmal zu regen. Die Ziege steht zu neuem Leben erweckt auf und geht mit Thor zurück ins Wasser, als wäre nichts geschehen.